13.08.2010

Österreich-Ungarns und Deutschlands Mitschuld an dem Genozid an den Armeniern

(Artem Ohandjanian, „Armenien 1915: Österreichisch-Ungarische Botschaftsberichte beweisen das Genozid“, Wien 2007, S. 237-259)

 Während die Armeniermassaker in der Türkei stattfanden, wurden die Mittelmächte von den Alliierten als Mitschuldige angeklagt. Sie beschuldigten Deutschland und Österreich-Ungarn, nichts zu unternehmen, um ihren Verbündeten, die Türkei, vom Massaker an den Armeniern abzuhalten.

Die Alliierten waren der Meinung, dass die türkische Regierung, sowohl politisch als auch wirtschaftlich unter der Kontrolle der Mittelmächte stand und alle Aktionen der Türkei, also auch die Expulsion des armenischen Volkes und dessen Vernichtung, mit stiller Zustimmung dieser Länder durchgeführt wurden.

Die Wurzeln dieser Duldung sind in der Orientpolitik der Mittelmächte zu suchen. Das Hochland Armeniens war eines der wichtigsten strategischen und wirtschaftlichen Gebiete, die für den Drang nach Osten der Mittelmächte in Frage kam. Die zahlreichen Artikel, die die deutschen Gelehrten darüber schrieben, bestätigen diese Annahme: Pastor Friedrich Naumann schrieb über die Orientpolitik Deutschlands:

Unsere Politik im Orient ist auf lange hinaus festgelegt, wir gehören zur Gruppe der Protektoren der Türkei, damit müssen wir rechnen...Wir müssen das Land wirtschaftlich von uns abhängig machen, um es später politisch kontrollieren zu können. [1]

Über die wirtschaftlichen Eigenschaften Armeniens hatte schon Karl Ross Mitte der 19.Jhs. berichtet, dass der Boden und das Klima auf dem anatolischen Hochlande für eine Besiedelung durch deutsche Kolonisten wohl geeignet, dass aber die politischen Verhältnisse und die inneren Zustände der Türkei die Ansiedlung Einzelner vollständig ausschließen und dass nur eine Kolonisation in großem Stil in geschlossenen Gemeinden möglich ist.[2]

Nächst Nordamerika, schrieb Alfred Kirchhof, ein anderer deutscher Gelehrter, ist vielleicht kein Land der Erde durch Klima und Bodenverhältnisse für den Anbau von Baumwolle geeigneter als Kleinasien.[3]

Entsprechend der Gutachtungen der deutschen Gelehrten und nach alldeutschem Plan wurde auch die Armenierpolitik Deutschlands gestaltet. In dem Land der anatolischen Hochebene lebten aber die Armenier, die in ihrer Heimat Wirtschaft, Handel und das Kapital kontrollierten. Daher waren sie für den deutschen Drang nach Osten der Störfaktor. Und der Störfaktor musste eben beseitigt werden.

 Der Orientalist Alfred Körte, der im Auftrage der deutschen Bahngesellschaft in der Türkei reiste, schrieb z.B., dass: die Schwächung der armenischen Positionen in der Türkei würde der deutschen Ökonomie zugute kommen.[4]

Schwächung der armenischen Positionen hieß eben Armenierverfolgungen, Massaker und Dezimierung und Vertreibung des armenischen Volkes aus Türkisch-Armenien:

Wir glauben bei allem Groll über die blutige, mohammedanische Barbarei an die Notwehr der Türken, schrieb der Pastor(!) Naumann, "denn wir sehen die Armeniermorde in erster Linie als eine innertürkische politische Angelegenheit an...Immerhin muss das Wort `Christenverfolgung´ eingeschränkt werden, daman ja getrost Christ sein kann, wenn man nur nicht orthodoxe Armenier ist(!) [5]

Der Geograf Ewald Banse schrieb auch über das Armenierproblem:

Für sie (die Türken) gab es nur den einen und angesichts der Verhältnisse leider nicht unberechtigten Grundsatz; um die armenische Frage aus der Welt zu schaffen,muss man eben die Armenier aus der Welt schaffen. [6]

Diese Politik unterstützte auch Wilhelm II.:

Und da erscheint auf dem Plane plötzlich wieder Wilhelm II., der den Sultangegen die reichsbedrohenden Wutausbrüche der armenischen Freunde in westländischenRegierungen in Schutz nimmt, seine Haltung gutheißt und aus demplötzlichen Verfall des armenischen Handels und der armenischen Finanz Nutzenzieht, indem er an die Stelle der getöteten und ausgewanderten armenischen Großhändler deutsche Firmen setze. [7]

Somit konnte der Sultan die Armenierverfolgungen im 19. Jahrhundert mit Hilfe der Mittelmächte ohne Folgen durchführen, obwohl die Signatarmächte des Berliner Kongresses durch ihre Unterschrift den Schutz der Armenier garantierten.

Bis zum Ende des 19. Jhs. wurden 300.000 Armenier massakriert und Hunderttausende verließen ihre Heimat und emigrierten ins Ausland.

Die Armenier mit abdulhamidischen Methoden - Massakern und Verfolgungen -aus der Welt zu schaffen, wäre für die Öffentlichkeit, auch in Deutschland, inakzeptabel. Deshalb ließ die deutsche Regierung festgelegte armenierfeindliche Darstellungen in der deutschen Presse zu und unterdrückte alle den Armeniern günstigen Nachrichten und jede Aufklärung der wirklichen Vorgänge. [8]

Um die armenierfeindlichen Darstellungen zu manifestieren, verglich man sie mit den in Deutschland verhassten Juden. Die Worte von Helmuth von Moltke: Alle Mittel sind den Juden gleich, sobald es darauf ankommt, zu verdienen. Es ist sehr selten, dass die Polizei einen Diebstahl entdeckt, in welchem nicht ein Jude mitschuldig oder als Hehler verwickelt wäre, wurde für die Armenier verwendet, indem man das Wort Jude durch Armenier ausgetauscht hatte. Und so wurden die Armenier als die unsympathischen armenischen Juden apostrophiert.

Das Wort Jüdischer Wucherer wurde zum Armenischen Wucherer. Mehr noch: Zwei Juden seien gleich wie ein Grieche und zwei Griechen gleich wie ein Armenier.

Um antiarmenische Propaganda zu betreiben, reisten deutsche Journalisten und Orientalisten im Auftrage der deutschen Bahngesellschaft und der Regierung in die Türkei und berichteten über die guten Türken und den betrügerischen Armenier:

Fast jeder, der in den asiatischen Provinzen mit dem Kern des Volkes in Berührung kommt, lernt die Türken achten und lieben, den Griechen gering schätzen, die Armenier hassen und verachten, schrieb Alfred Körte, der im Auftrage der Bahngesellschaft in die Türkei reiste.

Nach Körte hatte man mit einem Armenier zu tun, wenn man in Anatolien im Handel betrogen wurde.[9] (Siehe das Judenzitat von Moltke) Um den Störfaktor Armenier aus Anatolien zu vertreiben, unterbreitete Marschall Goltz im Februar 1914 bei einer Sitzung der Deutsch-Türkischen Gesellschaft den Vorschlag, die Armenier aus Türkisch-Armenien nach Mesopotamien umzusiedeln. Nur so könnte sich die Türkei vor neuen Unannehmlichkeiten schützen.[10]

Nun war durch den 1. Weltkrieg eine günstige Gelegenheit geboten worden, das Armenienproblem nach obigem Gedankengut endgültig aus der Welt zu schaffen. Auf diese Gefahr hin sprach Mitte August 1914 der amerikanische Botschafter in der Türkei, Morgenthau, mit Wangenheim und wies auf die Gefahr eines Christenmassakers in der Türkei hin.

Solange England die Dardanellen oder eine türkische Hafenstadt nicht angreife, antwortete Wangenheim, sei nichts zu befürchten. Im gegenteiligen Fall aber könne man für nichts gutstehen.[11]

Die Antwort Wangenheims kam einer Bedrohung gleich, die sich leider bewahrheitete. Bei Beginn des Weltkrieges baten die Deutschen sogleich die persische Regierung, ihren Botschafter in Berlin, Ohanes Khan, zurückzuberufen. Ohanes Khan war ein Armenier.[12]

Dann propagierten die Deutschen Jihad in Persien und die Mitglieder der deutschen und österreichisch-ungarischen Botschaftsangehörigen in Teheran und in Täbris arrangierten schiitische Ramadan-Trauerfeiern und nahmen auch persönlich daran teil.[13]

Der deutsche Botschafter gründete sogar Persiens islamisches Verteidigungs- Komitee.[14]

Am 25. März 1916 marschierten die russischen Truppen in Isfahan ein. Das Oberhaupt des Bakhtiari Klans, der mit der Hilfe des deutschen Konsuls Isfahan unter seine Macht gebracht hatte, floh mit seinen deutschen und österreichischen Mittätern aus der Stadt. Während der kurzen Zeit, in der der Bakhtiari Klan in Isfahan regierte, wurden viele Armenier und Russen verhaftet. Die Armenier lebten in ständiger Angst. Daraufhin telegraphieren sie nach Teheran, schilderten ihre Situation und baten die Russen um Hilfe. Sie befürchteten Armenierverfolgungen und Massaker auch in Isfahan. Die Russen eroberten Isfahan zurück und fanden Dokumente im deutschen Konsulat mit Instruktionen, wie die Armenier und die Russen zu behandeln wären.[15]

Das waren die ersten antiarmenischen Aktivitäten der Deutschen in Persien. Die Mitschuld der Verbündeten bei der endgültigen Lösung der Armenischen Frage in der Türkei aber entsprang der Tatsache, dass sie, insbesondere

Deutschland, die Türkei völlig in ihrer Gewalt hatten. Darüber schrieb Pomiankowski, der k.u.k. Militärattaché in Konstantinopel:

Mit Beginn des Krieges setzte eine wahre Überflutung der Türkei durch Deutsche ein. Da die Türken über das, für ihre Armee unbedingt notwendige, technisch gebildete Personal nicht verfügten, mussten sie notgedrungen alle wichtigen Funktionen im Generalstab, in der Artillerie, den technischen Truppen, der Kriegsindustrie und der Marine Deutschen übertragen und nicht allein Instruktoren, Fachleute und überhaupt Organe zur Leitung der verschiedenen Dienstzweige, sondern auch das niedere Personal (Unteroffiziere, Meister, Aufseher usw.) und für die Fabriken sogar einen großen Teil der Arbeiter aus Deutschland heranziehen. Die ganze Verteidigungsinstandsetzung der Dardanellen und des Bosporus, die Bedienung der schweren Artillerie, Verstärkung der Fortifikationen, das Verbindungswesen, Legen der Seeminen usw., alles übernahmen die Deutschen und besetzten es mit ihrem Personal. [16]

Wangenheim selbst erzählte dem holländischen Gesandten in Konstantinopel, dass hinter jedem türkischen Geschütz auf den Dardanellen ein deutscher Kanonier steht, was den Holländer zu der Äußerung verleitete, dass schon vor dem Krieg viel mehr deutsche Offiziere in der Türkei weilten, als es laut Abkommen mit der Militärmission vereinbart war. [17]

 

Am 19. November 1914 hatte auch Pallavicini nach Wien berichtet:

Österreich-Ungarn und Deutschland haben heute die Türkei in ihrer Gewalt. Dass dies bei Deutschland noch in erhöhtem Maße der Falle ist, erklärt sich dadurch, dass die Türkische Armee und Flotte in ihrer Hand ist, und überdies durch die sehr bedeutenden der deutschen Regierung zur Verfügung stehenden Barmittel in der Lage ist seinen Willen hier auch in die Tat umzusetzen ... Schon jetzt zeigt es sich bei zahlreichen Gelegenheiten, dass die Deutschen die Türkei als ihr ausschließliches Gebiet der Tätigkeit betrachten und sich in allem und jedem als die Herren der Türkei aufspielen. [18]

Über die wahren Herren in Konstantinopel schrieb Sasonoff:

...Konstantinopel (befand) sich in festen deutschen Händen... [19]

Das war auch der Grund, dass der amerikanische Botschafter in Konstantinopel, Morgenthau, vergebens versuchte, seine deutschen und österreichischungarischen Kollegen zu bewegen, für die Armenier bei den türkischen Staatsmännern zu intervenieren. Über seinen Besuch bei dem deutschen Botschafter Wangenheim schrieb Morgenthau:

As soon as the early reports reached Constantinople, it occurred to me that the most feasible way of stopping the outrages would be for the diplomatic representatives of all countries to make a joint appeal to the Ottoman Government. I approached Wangenheim on this subject in the latter part of March. His antipathy to the Armenians became immediately apparent. He began denouncing them in unmeasured terms, like Talaat and Enver, he effected to regard the Van episode as an unprovoked rebellion, and, in his eyes, as in theirs, the Armenians were simply traitorous vermin, 'l will help the Zionists, but I shall do nothing whatever for the Armenians.[20]

Sowohl die deutschen, als auch die österreichisch-ungarischen Botschafter hatten sich bei den türkischen Staatsmännern für die Armenier eingesetzt, aber die Art und Weise dieser Fürsprachen wird am besten durch folgenden k. u. k. Bericht aus Konstantinopel veranschaulicht:

Fürst Hohenlohe (deutscher Botschafter ab 1916 in der Türkei) war zwar...genötigt, mit der türkischen Regierung ein ernstes Wort zu sprechen, u. zw. anlässlich der Verfolgungen der Armenier, aber er tat dies in einer Form, welche es die Türken kaum empfinden ließ, dass man mit ihrem Verhalten unzufrieden sei. [21]

Auch Pallavicini nahm sich vor, nachdem die Berichte der k. u. k. Konsuln über Armenierverfolgungen so ergreifend waren, Talaat in freundschaftlicher Weise wissen zu lassen, dass die Türkei durch ein solches Vorgehen nur sich selbst schade und die von ihren Feinden vorgebrachten Anschuldigungen rechtfertige.[22]

Dabei waren die zwei maßgeblichen türkischen Staatsmänner, Enver und Talaat, die die Verantwortlichen für die Armenierverfolgungen und Massaker waren, völlig von den Deutschen abhängig.

So stand z.B. in einem k. u. k. Konfidentenbericht über die Abhängigkeit Envers und Talaats:

Unbedingt zuverlässig sind nur Enver und Talaat. Enver weiß, dass sein Schicksal an diesen Krieg und an das Bündnis mit Deutschland und Österreich-Ungarn geknüpft ist und dass es für ihn kein Schwanken mehr gibt.[23]

Auch Pomiankowski war der Meinung, dass die Führer der Jungtürken völlig unter deutschem Einfluss standen:

Die einflussreichen Mitglieder des Komitees und hiermit die eigentlichen Machthaber in der Türkei waren Enver, Djemal und Talaat ... Intelligent, jedoch ohne irgendwelche gründlichen Studien und in ihren Regierungsressorts mehr oder weniger Dilletanten, ersetzten alle drei den Mangel an Fachkenntnissen durch große Energie, brutale Rücksichtslosigkeit und selbst Grausamkeit. Ohne hinreichende Kenntnis des europäischen Auslands und mit den Machtverhältnissen Europas kaum genügend vertraut, standen sie ganz unter dem Eindruck der imponierenden Kraftentfaltung und glaubten blind an den Endsieg Deutschlands. Ohne genügende Prüfung folgten sie den oft egoistischen Ratschlägen und Wünschen der Berliner Regierung und führten hierdurch die Türkei ins Verderben. [24]

Nach Wolff-Metternich war Enver Pascha the most important man for us. [25]

Die Mitschuld der Mittelmächte war auch bei den Türken ein Gesprächsstoff, sodass die k. u. k. Stellen gezwungen waren, sich damit zu befassen. Am 12. September 1915 stand in einem k. u. k. Konfidentenbericht:

... Nach dem Friedenschlusse ... werden die Willkürakte und Gräuel, denen die Armenier zum Opfer gefallen sind, gewiss zur Sprache kommen. Russen, Engländer und Franzosen werden nicht Anstand nehmen, auf Grund reichen Materials die armenische Frage zu geißeln und mit Genugtuung werden sie die Gefühllosigkeit brandmarken, der diese immerhin hoch entwickelte Rasse zum Opfer gefallen ist. Es ist zu befürchten, dass diese Anklage hauptsächlich Deutschland treffen wird, denn das Lob, das deutscherseits der Türkei überreich gespendet wurde, wird als Beifall auch für die Handlung der Türkei im allgemeinen angesehen werden. Auf Deutschland wird der größte Teil der Schuld an den schweren türkischen Verfehlungen gewälzt werden, denn die Gegner werden glaubhaft machen, dass die Türkei, die in allem der deutschen Initiative gefolgt ist, auch die Armenierverfolgungen mit Wissen und im stillen Einverständnis mit Deutschland begangen hat. [26]

Am 30. September 1915 schrieb der k. u. k. Legationsrat Trauttmansdorff nach Wien:

Ebenso, wie aber die Schuld für die Verfolgung der Armenier dem Einfluss der Zentralmächte und in erster Linie Deutschlands in die Schuhe geschoben wird, würden die Ententemächte...auch dafür sorgen, dass diese jeder Zivilisation Hohn sprechende Gewaltherrschaft der Türken gleichfalls und vielleicht noch in erhöhtem Maße auf Rechnung der teutonischen Barbaren geschrieben werden würde. [27]

Selbst Pallavicini führte die Armenierverfolgungen auf die von den Deutschen durchgesetzte Proklamation des Heiligen Krieges, Jihad, zurück:

Die Verkündigung des Heiligen Krieges und das speziell von deutscher Seite stark übertriebene Coqettieren mit dem Islam (hat) zur Folge gehabt, dass die leitenden Staatsmänner in der Türkei, und speziell die intelligenten aber höchst ungebildeten Fanatiker à la Talaat und ihr ganzer Anhang in der übertriebenen Idee...bestärkt wurden und dass sie in eine fremdenfeindliche national-mohammedanische Politik hineingedrängt wurden... (Die) Ausschreitungen gegen das armenische Element war der erste Schritt in dieser Richtung. [28]

In den Berichten der k. u. k. Armeeoberkommando-Nachrichtenabteilung vom 8. Oktober 1915 hieß es auch:

In türkischen Kreisen macht sich die Anschauung bemerkbar, dass das Vorgehen der türkischen Regierung gegen die Armenier mit (dem) Einverständnis Deutschlands geschieht. [29]

Und am 19. März 1916:

Für diese Vorfälle (Armenierverfolgungen in Van: 30.000 wurden ermordet, 500-600.000 wurden gewaltsam umgesiedelt, von denen ca. 400.000 zugrunde gingen)macht man die Zentralmächte verantwortlich, da sie es hätten verhindern können. [30]

Vielleicht deshalb leugneten die Deutschen auch alles, was mit den Massakern zusammenhing. Am 12. Oktober 1915 schrieb das Wochenblatt der Frankfurter Zeitung:

Aus Armenien kommen Meldungen von amerikanischer Seite, dass sich die Türkei dort gegen die ausständigen Armenier Grausamkeiten hätten zu Schulden kommen lassen. Auf diese Vorgänge kam Lord Cromer auch im englischen Oberhaus zu sprechen. Er meinte zwar, es sei doch kaum zu glauben, dass die Zahl der Opfer wirklich wie behauptet wurde, 800.000 betrage. Dann aber kam die echt englische Niedertracht zum Durchbruch. Lord Cromer meinte nämlich, obwohl glaubwürdige Berichte über eine deutsche Mitschuld bei den Morden nicht vorliegen, sei doch Deutschland mitverantwortlich, da sein Einfluss in Konstantinopel unbestritten sei.

Der k. u. k. Konsul Dandini in Aleppo leugnete die Armenierverfolgungen:

Gerüchte über blutige Massaker sind im Umlauf, verdienen jedoch wenig Glauben. Dagegen kann mit großer Wahrscheinlichkeit angenommen werden, dass summarische Hinrichtungen gefährlicher armenischer Elemente in größerer Anzahl im Inneren des Landes stattgefunden haben .[31]

Zwei österreichische Dokumente aber bestätigen die Mitschuld der Deutschen.

Am 22. Oktober 1915 schrieb der k. u. k. Konsul Kwiatkowski aus Trapezunt:

Aus gewöhnlich verlässlicher deutscher Quelle erfahre ich, dass die erste Anregung zur Unschädlichmachung der Armenier - allerdings nicht in der tatsächlich durchgeführten Weise - von deutscher Seite erfolgt sei. [32]

Des Weiteren berichtete am 10. November 1915 der k. u. k. Konsul Nadamlenzki aus Adrianopel:

... Die Tatsache, dass heute in den meisten Verwaltungszweigen Deutsche an beratender und leitender Stellung sind und dass diese weder die Griechen-, noch die Armenierverfolgungen verhindern konnten, hat zunächst das Gerücht von der Duldung derselben durch Deutsche aufkommen lassen. Die erwartete Expansion des deutschen Handels in der Türkei hat, so wird gefolgert, die Notwendigkeit erklärt, diesem durch Entfernung aller konkurrenzfähigen Elemente für die Zukunft die Wege ebnen zu müssen. Der Umstand, dass deutsche Offiziere bei den Ausweisungen der Christen aus Ouzoun-Keuprü anwesend waren und keinen Finger gerührt haben sollen, um dies zu verhüten, hat der schon vorhandenen Stimmung neue Nahrung gegeben. Leider war es mir bis heute nicht möglich, meinen Gewährsmann dazu zu bewegen, mir die oder den Namen jener Personen zu nennen, die direkt erklärt haben, dass Deutschland die Armenier-Verfolgungen gewollt hatte. Er konnte mir nur versichern, dass es sich um eine einflussreiche Persönlichkeit handelt, die mit dem Komitee in engster Fühlung steht und alle Geheimnisse kennt. [33]

Über diese Persönlichkeit schrieb Alan Moorehead:

It was believed that Wangenheim, or at any rate someone of his staff, had suggested the refinement of adding wholesale deportation to local massacre. [34]

Wangenheim selbst wurde folgendermaßen charakterisiert:

Wangenheim`s forceful character was blended with foxiness. [35]

Über die Mitschuld der Deutschen wurde auch im Komitee für Einheit und Fortschritt gesprochen, das die Deutschen als Urheber dieses Gedankens nannte:

C'est l'Allemagne qui malheureusement nous imposera ça. [36]

Talaat Pascha selber gab Lepsius, als dieser in Konstantinopel weilte und für die Armenier vorsprach, folgende Antwort:Wir führen euren Plan aus. [37]

Der amerikanische Botschafter in Konstantinopel, Morgenthau, schrieb in seinen Memoiren, dass der deutsche Admiral Usedom ihm gesagt hatte, dass die Evakuierung der Armenier von deutscher Seite den Türken vorgeschlagen worden sei,[38] weil sie diese barbarische Operation allein als ein geeignetes Mittel zur Errichtung ihrer eigenen politischen Ziele in der Türkei betrachtet hätten.[39]

Es blieb nicht nur bei der Anordnung der "Unschädlichmachung der Armenier", sondern die Deutschen machten selbst, wenn auch in geringerem Ausmaß, tatkräftig bei der Durchführung der "Anordnung" mit, beschreibt Josef Marquardt in seinem Buch:

Glücklicherweise scheinen sich wenigstens deutsche Soldaten und Offiziere nur ausnahmsweise an den Deportationen und Metzeleien beteiligt zu haben.[40]

Alldeutsche Methode bezeichnete André Cheradame die Art und Weise der Evakuierung der Armenier:

The Pan German theory of Evacuation, that is, by systematically transporting the unfortunate woman or old people... considered absolutely useless in (their) future possessions. (They) found it, for instance, very convenient to rid herself without delay of these poor creatures especially when the question of feeding them cropped up.[41]

Diese Alldeutsche Methode der Evakuation haben die Deutschen schon 1904 in Deutsch- Südwestafrika (Namibia) praktiziert:

Die Überlebenden wurden samt Frauen und Kindern in die Omaheke-Steppe getrieben. Sie verhungerten oder verdursteten- das war das Ziel. [42]

Der Charakter der Deutschen und der deutschen Armee wurde von Leo Trotzki folgendermaßen beschrieben:

...Die wahrhaft barbarische politische Rückständigkeit Deutschlands gibt ihm ein großes militärisches Übergewicht...Die alte Rasse der Hindenburg, Moltke und Kluck, die erheblichen Spezialisten in Sachen der Massenmorde, sind ebenso sehreine unumgängliche Bedingung deutscher Siege, wie Kanonen von 42 Zentimeter

Durchmesser, der letzte Ausdruck des technischen Vermögens des Menschen.[43]

Bemerkenswert ist die Antipathie der deutschen Botschaftsangehörigen in Konstantinopel den Armeniern gegenüber: So schrieb Pomiankowski über Wangenheim:

Baron Wangenheim erklärte mir lange vor Sarajevo wiederholt, dass er die ganze Reformaktion der Mächte in Armenien als ganz verfehlt und nutzlos betrachte. Die Armenier hätten seiner Ansicht nach nur ein Mittel, Ruhe sowie Sicherheit des Lebens und Eigentums zu erlangen und dies wäre: Der Übertritt zum Islam.[44]

Wangenheim war nicht der einzige hochrangige Deutsche in der Türkei, der armenierfeindlich gesinnt war, ein noch extremerer war der Marineattaché Humann. Er war ein Freund von Enver Pascha, und nachdem er der persönliche Gesandte des Kaisers war, war er einer der einflussreichsten Persönlichkeiten in der Türkei. Seine Freunde nannten ihn Türkischer als Enver und Talaat. In einem Gespräch mit Morgenthau sagte er:

I have lived in Turkey the larger part of my life, and I know the Armenians. I also know that both Armenians and Turks cannot live together in this country. One of these races has got to go. And I don't blame the Turks for what they are doing to the Armenians. I think that they are entirely justified. The weaker nation must succumb.

The Armenians desire to dismember Turkey, they are against the Turks and the Germans in this war, and they therefore have no right to exist here. I also think that Wangenheim went altogether too far in making a protest, at least I would not have done so ... All Armenians are working for the destruction of Turkey's power - and the only thing to do is to deport them.[45]

Auffallend ist, wie manche deutsche Konsuln die Massaker und die Mordtaten an den Armeniern leugneten:

Bezeichnend ist die Haltung des hiesigen und des Erzerumer deutschen Konsuls, betreffend die Verfolgung der Armenier," hieß es in einem Bericht aus Trapezunt vom 17. Dezember 1915. "Beide sind sichtlich bemüht, insbesondere die zahlreichen Tötungen abzuleugnen, obwohl Graf Schulenburg, wie mir ein Deutscher seiner Begleitung erzählte, schon auf der Reise nach Erzerum sich von den begangenen Gewalttaten überzeugen konnte und hierfür auch übereinstimmende Zeugnisse von Offizieren, Gendarmen und anderen vorliegen.[46]

Die deutsche Führung in der Türkei verbot sogar jegliche Hilfeleistung für Armenier:

Nachträglich erfuhr ich schon, dass das Eintreten Herrn Scheubners, deutschen Amtsleiters in Erzerum, zugunsten der Armenier, nicht die Billigung der deutschen Behörden, der Botschaft und der Militärmission fand und Graf von Schulenberg von dieser Stelle und auch von General Bronsart beauftragt wurde, eine andere Haltung einzunehmen.[47]

Dasselbe geschah mit dem jungen österreichischen Arzt Dr. Poche in Aleppo: K.u.k.

Konsul Dandini verbot ihm, den kranken Armeniern medizinische Hilfe zu leisten:

Als junger Mediziner meldete ich mich sofort zur Hilfe und besuchte die Lager (in Aleppo), die äußerst arm waren. Mein Benehmen wurde vom k. u. k. Konsul stark kritisiert.[48]

Die Deutschen verboten in Deutschland öffentliche Versammlungen zugunsten der deportierten Armenier. Als eine Kommission eine größere Menge von Mitteln für die Armenier überbringen wollte, erteilte die Regierung nicht die Erlaubnis.[49]

Man verbot der deutschen Presse jegliche Berichterstattung über die Armenierverfolgungen.

In einer Direktive vom 23. Dezember 1915 hieß es:

Über die armenische Frage wird am besten geschwiegen! [50]

In einem Konfidentenbrief von 14.Jänner 1916 stand:

Obwohl der Reichstag durch Broschüren und sonstige Mitteilungen über die Vorgänge in der Türkei orientiert war, unternahm er nichts. Nur drei Unabhängige - Liebknecht, Ledebour und Haase - trugen das Armenierproblem im Reichstag vor.[51]

Am 14. Jänner 1916 erkundigte sich Karl Liebknecht im deutschen Reichstag über die armenischen Massaker und fragte, ob der Reichskanzler davon unterrichtet sei, dass die türkische Regierung ein furchtbares Gemetzel unter den Armeniern angerichtet hat; alle Welt weiß davon und in aller Welt macht man Deutschland dafür verantwortlich, weil in Konstantinopel die deutschen Offiziere die Regierung kommandieren. Nur in Deutschland weiß man nichts, weil die Presse geknebelt ist. Auf diese Schandtaten hinzuweisen, war ein Verdienst.[52]

Dr. von Stumm antwortete, dass dem Herrn Reichskanzler schon bekannt sei, dass der armenische Aufruhr die Pforte veranlasst hatte, die armenische Bevölkerung aus bestimmten Gebieten des türkischen Reiches auszusiedeln und dass diesbezüglich zwischen deutscher und türkischer Regierung ein Gedankenaustausch stattfinde.

Liebknecht erwiderte, dass laut Dr. Lepsius die türkischen Armenier einer Ausrottung entgegen schritten. Durch Zwischenrufe wurde Liebknechts Rede unterbrochen und ihm das Wort entzogen.[53]

Der deutsche Staatssekretär des Auswärtigen, Jagow, antwortete 1916 vor dem Reichstag über Armenierverfolgungen in der Türkei:

So sehr wir auch das Schicksal der Armenier vom Standpunkt der reinen Menschlichkeit bedauern, unsere Söhne und Brüder sind uns näher als die Armenier. Sie opfern ihr kostbares Blut in furchtbaren Schlachten, und sie sind für ihre Sicherheit auf die türkische Hilfe angewiesen. Die Türken erweisen uns einen wertvollen Dienst, indem sie die Flanken unserer militärischen Stellung verteidigen. Sie werden mir beipflichten, meine Herren, dass wir unsere Allianz wegen der armenischen Frage nicht aufgeben können.[54]

Bis zur Oktober-(November) Revolution 1917 war die Hilfeleistung Deutschlands und Österreich-Ungarns für das armenische Volk, wie die Unterlagen beweisen, von geringerer materieller Natur und sporadisch. Die diplomatischen Interventionen fanden bei den türkischen Staatsmännern kein Gehör, vor allem, weil die Interventionen freundlicher Natur waren oder so gestellt wurden, welche es die Türken kaum empfinden ließen, dass man mit ihrem Verhalten unzufrieden sei.[55]

Am 3. März 1918 wurde der Brest-Litowsker Friedensvertrag unterzeichnet. Als danach die türkischen Truppen in die Bezirken Kars, Ardahan und Baturn eindrangen, kam es zu Armeniermassakern, obwohl die Verbündeten der Türkei vorsichtshalber versuchten, diesbezüglich auf die türkische Regierung mäßigend einzuwirken.[56]

Talaat versicherte, dass es nicht im türkischen Interesse gelegen wäre, wenn gegen die armenische Bevölkerung Gewalttaten verübt werden sollten. Außerdem behauptete er, dass in diesen Bezirken keine Armenier mehr vorhanden seien.[57]

Als die Gräueltaten trotzdem stattfanden, beschuldigten die Sowjets die deutsche Regierung:

Dem Vormarsch der türkischen Truppen an der Kaukasusfront folgt die Massenvernichtung der armenischen Bevölkerung. Die friedliche Bevölkerung, Frauen und Kinder, werden zu Tausenden ermordet, ihr Hab und Gut geraubt und verbrannt. Die Verantwortung für die Gräueltaten fällt auf die deutsche Regierung, mit deren Hilfe die Türkei für sich diese Gebiete ausbedungen hat.[58]

Am 10. April 1918 veröffentlichte das armenische Korrespondentenbüro in Haag ein Communiqué, in dem es hieß:

Es ist sicher, dass die Türkei ohne die Erfolge Deutschlands in Russland und ohne deutsche Kommandanten und deren Waffen, niemals im Kaukasus eingefallen wäre, ja sie hätte nicht einmal Armenien nochmals besetzen können. Es liegt an Deutschland, weitere blutige Einmärsche der Türkei zu vereiteln, da Deutschland diese Lage durch den § 4 im Brest-Litowsker Vertrag herbeigeführt hat.[59]

Als die Türken Batum besetzten und die Friedensverhandlungen, die sie mit den transkaukasischen Völkern, Georgiern, Armeniern und Tataren, führten, zum Scheitern brachten und auch Batum für sich behalten wollten, war ihre Haltung der deutschen Regierung nicht passend. Diesbezüglich telegraphierte das deutsche Außenamt am 28. Mai 1918 nach Wien und überreichte eine Note, die sie an die Pforte adressiert hatte. In dieser Note hatte die deutsche Regierung unter Punkt 4 von der türkischen Regierung verlangt, die angemessene Behandlung der Armenier in den von der Türkei besetzten Gebiete sicherzustellen. Nähere Vorschläge behält sich die Kaiserliche Regierung vor.[60]

Burián, der k.u.k. Außenminister, wurde gebeten, in dieser Richtung auch Pallavicini zu instruieren. Als Pallavicini gemäß der Instruktion aus Wien bei Talaat vorsprach, behauptete dieser, dass der deutsche Botschafter bisher eine solche formelle Demarche nicht gemacht hatte.

Talaat behauptete weiter, dass Bernstorff und die deutsche Heeresleitung sich mit dem gestellten Ultimatum an die transkaukasische Regierung einverstanden erklärt hätten und der Vormarsch der Türken sogar auf Anweisung der deutschen obersten Heeresleitung erfolgt wäre.[61]

Indem Russland durch die Revolution aus dem Krieg ausschied, und als wegen der Erklärung der Unabhängigkeit Transkaukasiens von Russland die Verbündeten in den Kaukasus vordrangen, kam es dort wieder zu Armeniermassakern. Die Mittelmächte ließen der Türkei - trotz der Armenierverfolgungen - freie Hand, um durch Gebietseroberungen im Kaukasus die Grenzkonflikte der Türkei mit Bulgarien regulieren zu können. Als Kars von den Türken erobert wurde, sandte der österreichische Kaiser Karl ein Glückwunschtelegramm an den Sultan und beglückwünschte ihn herzlichste zur Einnahme der Festung durch die tapferen ottomanischen Truppen.[62]

Die russische Regierung protestierte gegen den Einmarsch der Türken und sah darin eine Mithilfe der Deutschen:

Die Vernichtung des armenischen Volkes wird auch jetzt weitergeführt ... Die Verantwortung für die Gräueltaten, welchen die armenische Bevölkerung in den durch die türkischen Truppen gegenwärtig besetzten Gebieten ausgesetzt ist, fällt auf die deutsche Regierung, mit deren Hilfe die Türkei für sich diese Gebiete ausbedungen hat.[63]

Diese Behauptung der Russen gewinnt durch folgenden Bericht Pallavicinis an

Bedeutung:

Talaat Pascha sowie Minister des Äußeren, behaupten ... dass Graf Bernstorff (deutscher Botschafter) sich seinerzeit ausdrücklich mit dem an die transkaukasische Regierung gestellten Ultimatum einverstanden erklärt und dass die deutsche Heeresleitung mit der genau bestimmten "Grenzregulierung" ... sich einverstanden erklärt hatte. Auch der Vormarsch der türkischen Armee sei im Einvernehmen und sogar auf Anweisung der obersten Heeresleitung erfolgt.[64]

Eine Empfehlung der Kaiserlichen Deutschen Regierung Talaat gegenüber in Bezug auf die Kaukasusfragen beweist die Zweideutigkeit der deutschen Politik:

Wir müssten als Mitunterzeichner, hieß es in dem Empfehlungsschreiben, des Brester Vertrages an sich fordern, dass die Türkei sich auf die Brester Grenze zurückzieht und den geflüchteten Armeniern die Rückkehr in ihre Wohnstätten ermöglicht. Um die Türkei zu schonen, wird empfohlen, von einer solchen Forderung abzusehen und sich auf Vorstellungen gegen das türkische Vorgehen zu beschränken, ohne jedoch diesen Vorstellungen Taten folgen zu lassen.[65]

Auch der Einmarsch der türkischen Truppen in Baku wurde von den Deutschen nicht unterbunden, obwohl in einem geheimen deutsch-russischen Abkommen ausdrücklich von den Deutschen dieses verlangt wurde. [66]

Nach Eroberung von Baku wurde den türkischen Truppen drei Tage lang jegliche Freiheit gewährt. Fazit: 30.000 Armenier wurden umgebracht. Es ist sicher, dass die Türkei ohne die Erfolge Deutschlands in Russland und ohne

deutsche Kommandanten und deren Waffen niemals im Kaukasus eingedrungen wäre, ja sie hätte nicht einmal Armenien nochmals besetzen können. [67]

stand in einem Kommuniqué des armenischen Korrespondentenbüros in Haag. Es gab aber auch viele Deutsche, die über die Massaker anders dachten. Viele von ihnen fühlten sich verdammt, dieses schreckliche Schauspiel miterleben zu müssen, ohne irgendetwas dagegen unternehmen zu können. Einer dieser Deutschen war Oberst Kreß von Kressenstein. Er schrieb in seinem Buch Mit den Türken zum Suezkanal:

Wir Deutschen, Soldaten und Zivilisten, die wir dazu verdammt waren, das grausige Schauspiel mitzuerleben, fanden es unbegreiflich und waren darüber empört, dass die deutsche Regierung und die deutsche öffentliche Meinung, die durch zahlreiche Berichte von allen möglichen Seiten über die Vorgänge auf das genaueste unterrichtet waren, von den Türken nicht abrückten, sondern durch ihr Schweigen uns Deutsche gewissermaßen zu moralischen Mitschuldigen machten.

Nicht zu Unrecht haben unsere Feinde und Neutralen uns der stillschweigenden Duldung angeklagt, nachdem die deutsche Presse auch nicht den leisesten Protest gegen die Art und Weise, in der die Armenierverfolgungen durchgeführt wurden, bringen durfte. [68]

Einer, der sich immer für die Armenier einsetzte, war der deutsche Pastor Dr. Lepsius.

Sobald Nachrichten über die Armenierverfolgungen ins Ausland drangen, gelang Lepsius mit Hilfe seiner Freunde die Reise nach Konstantinopel, und er bekam die Möglichkeit zu einem Gespräch mit Enver Pascha.

Das Gespräch mit Enver und das Eintreten Envers für seine Armenierpolitik deprimierten Lepsius zutiefst. Er bekam aber keine Erlaubnis für eine Reise ins Inland.

Lepsius sammelte Fakten und Dokumente über die Armenierverfolgungen, die er mit Hilfe seiner Freunde in Konstantinopel beschaffte, und reiste nach Deutschland zurück, wobei er, teils in seinem Koffer eingenäht, die Dokumente schmuggelte.[69]

Als Johannes Lepsius Anfang 1915 beladen mit Materialien aus der Türkei nach Deutschland zurückkam, die er unter anderem auch in seinem Koffer eingenäht hatte, begann er das Außenamt zu attackieren, indem er ausführliche Denkschriften einreichte und die inneren Ereignisse in der Türkei bloßlegte.

Am 5. Oktober 1915 durfte Lepsius im Berliner Reichstagsgebäude einen Vortrag über Armenierverfolgungen in der Türkei halten, der aber nur vor geladenen Gästen, Pressevertretern und Mitarbeitern des Außenamtes gehört wurde. An diesem Vortragsabend betitelte er die deutsche Regierung mit Sklaven der Pforte.[70]

Lepsius ließ nicht locker. Er schrieb eine Novelle über die Ereignisse vom Musa Dagh und ließ diese in seiner Zeitschrift Der christliche Orient Anfang 1916 erscheinen. Um aber die Zensur zu umgehen, versetzte er die Geschichte ins Mittelalter, mit dem Titel: Das rettende Kreuz - eine Kreuzfahrtgeschichte.[71]

1916 gab Lepsius auch einen Bericht über die Armenierverfolgungen heraus. Er schrieb darüber:

Aufgrund von Quellen hatte ich im Jahre 1916 einen Bericht über die Lage des armenischen Volkes in der Türkei herausgegeben. Eine Verbreitung durch den Buchhandel oder auch nur eine Verwertung der Tatsachen, die er enthüllte, in der Presse, war damals nicht möglich. Die Zensur hätte das Buch beschlagnahmt. Der Presse war durch offizielle Instruktionen Schweigepflicht über die Armenier Gräuel auferlegt. Ich konnte daher meinen Bericht nur vertraulich versenden. Die Zensur ist erst auf ihn aufmerksam geworden, nachdem 20.000 Exemplare in Deutschland verbreitet worden waren. Die weitere Drucklegung und Verbreitung wurde verboten.[72]

Lepsius reichte eine ausführliche Denkschrift an das Außenamt ein. Am 15. Oktober 1915 reichten die von Lepsius aktivierten evangelischen Institutionen eine dringliche Eingabe beim Reichskanzler ein.[73]

Der an die Reichstagsmitglieder versandte Lepsius-Bericht wurde aber stillschweigend beschlagnahmt und im Berliner Polizeipräsidium deponiert.[74]

Lepsius fuhr in die Schweiz und schrieb dort anonym Presseartikel, welche gegen Deutschland und die Türkei gerichtet waren. Über die deutsche Hilfeleistung für die Armenier schrieb am 31. März 1916 Dr. Staubinger, Kaplan der deutschen Botschaft in Konstantinopel, an den Reichsabgeordneten Erzberger:

Ich verstehe vollständig, dass die katholischen Kreise Deutschlands und Österreich-Ungarns ungeduldig werden und mich, vielleicht auch Sie, mit Vorwürfen überhäufen. Was wir aber hier erreichen, ist tatsächlich nicht groß - was wir nicht erreichen, ist bei weitem größer. Bisher Erreichtes: Unterstützung der Armenier in Aleppo durch die von Köln angewiesene Summe, ferner Unterstützung des sich in äußerster Notlage befindlichen armenisch-katholischen Patriarchen, wofür Dankschreiben nächstens kommen wird. Vorschlag: das bisher von uns Geleistete ist ein Tropfen auf dem heißen Stein. Wir brauchen zur Linderung auch nur der fürchterlichsten Not einige hunderttausend Mark. Man halte, so wie man es für Polen gemacht hat, eine Kirchenkollekte, schieße uns aber jetzt schon (vielleicht aus der Missionskasse) Geld vor. Ohne Geld können wir nichts durchführen, gar

nichts. Das Geld muss rasch kommen, sehr rasch. Sonst geht noch vieles zugrunde, was jetzt noch gerettet werden kann. Für die Not leidenden Armenier wurden bis jetzt 15.000 Mark aufgebracht. [75]

Der deutsche Abgeordnete Erzberger bekam von der deutschen Regierung die Erlaubnis, in die Türkei zu reisen, um sich dort über die Verhältnisse der Katholiken ein Bild machen zu können. Am 10. Februar 1916 sprach Erzberger unter anderem auch über das Armenierproblem mit Enver Pascha und Talaat Bey. Die Besprechungen wurden folgendermaßen abgehalten:

1. Mit Enver Pascha, der zusagte, dass keine weiteren Maßnahmen gegen die Armenier erfolgten und die vertriebenen Armenier in geschlossenen Ortschaften angesiedelt werden. Religionsfreiheit wurde garantiert.

2. Mit Talaat, der als Kriegsziel die volle Unabhängigkeit der Türkei bezeichnete. Deutschland möge sich über alle Fragen mit der Türkei verständigen, auch den Ersatz der Kapitulationen - dann lasse sich alles regeln. Die Öffnung der armenischen Kirchen wird erfolgen. Vertreibungen oder Gewaltmaßregeln gegen die Christen in Syrien seien ausgeschlossen. Die Priesterseminare und Lehrseminare könnten wieder geöffnet werden, nur dürfte der türkische Staatsgedanke darunter nicht leiden, worauf ich beruhigende Zusagen geben konnte. Die gesamten Fragen soll ich in einer Denkschrift bei den Ministern unterbreiten, welche nach meiner Ankunft in Deutschland ausgearbeitet und durch die Botschaft in Konstantinopel überreicht werden wird. [76]

Nach Deutschland zurückgekehrt, berichtete Erzberger in einem Brief vom 28. Februar 1916 an Kardinal Piff über seine Aktionen:

1. Aktion der deutschen Katholiken.

2. Die Armenierfrage.

3. Union mit Bulgarien.

 

Ich fahre heute nach München, um mit dem hochwürdigen Herrn Kardinal

Frühwirth, Pro-Nuntius, die vorbereitenden Schritte näher zu besprechen. Aufgrund der Verhandlungen in München werde ich das Konzept für die Denkschrift, die der türkischen Regierung überreicht werden soll, feststellen und Euer Eminenz diese Denkschrift zusenden mit der Bitte, dass auch die österreichischen Diplomaten diese Aktion unterstützen sollen. [77]

Am 3. März 1916 bat Erzberger in einem Brief an das deutsche Auswärtige Amt, seine Denkschrift Über die Maßnahmen zugunsten der Christen in der Türkei, die Lage der katholischen Armenier, Enver Pascha und Talaat zu überreichen. In dieser Denkschrift schlug Erzberger Hilfsmaßnahmen zur Rettung der katholischen

Armenier vor.

Durch die Ausführung dieser Maßnahmen, schrieb Erzberger, würde erreicht werden, dass die auch unter den Christen der Mittelmächte vorhandene Erregung nachlassen würde. [78]

Diese Maßnahmen wurden, nach vorhandenen Dokumenten, nicht ausgeführt. Über die Haltung Deutschlands in der armenischen Frage schrieb der deutsche Journalist Harry Stürmer in seinem Buch Zwei Kriegsjahre in Konstantinopel:

Die Haltung Deutschlands war eine grenzenlose Feigheit, denn wir hatten die türkischen Regierung fest genug in der Hand, sowohl vom militärischen, als auch vom finanziellen und politischen Standpunkt aus, um auf der Einhaltung der einfachsten Grundsätze der Menschlichkeit bestehen zu können, falls wir es gewollt hätten. Es sind Fälle durch die Aussagen deutscher Ärzte und Rotkreuz-Schwestern bewiesen worden, in denen deutsche Offiziere die Initiative in der Vernichtung der Armenier ergriffen hatten, wenn die weniger eifrigen örtlichen Behörden, die immer noch einige Reste der menschlichen Gefühle bewahrt hatten, zögerten, die Befehle des Nur-el-Osmanieh (des Hauptquartiers der Ittihadisten in Konstantinopel) auszuführen. [79]

Dass man helfen konnte, wenn man gewillt war zu helfen, beweisen zwei

Ereignisse:

Am 17. Dezember 1914 ordnete Djemal Pascha, der Kommandant der in Syrien stationierten 4.türkischen Armee, die Ausweisung aller Juden aus Palästina an, die feindlichen Staaten angehörten. Noch am gleichen Tag wurden auf Befehl des Bezirkshauptmanns etwa 800 Juden gewaltsam nach Ägypten transportiert. Die Türken gingen dabei wahllos vor, trennten Familien und deportierten Kinder ohne ihre Eltern.

Am 27. Dezember verließen 500 Juden aus eigenem Willen Palästina und lieferten der Ententepresse dramatische Meldungen über die Lage im Palästina. Mitte Januar 1915 flüchteten weitere 1500 Juden nach Ägypten. Die deutschen Botschaftspersönlichkeiten, Baron Wangenheim, Graf Wolff-Metternich, Graf Bernstorff, die Botschaftsräte von Kühlmann, Baron Neurath und von Radowitz sowie der erste Dragoman der Botschafter Dr. Weber intervenierten wiederholt für die Juden bei der türkischen Regierung. Wangenheim nahm sich vor, einen schärferen Protest gegen die Hauptverantwortlichen anzubringen:

 

Diese beiden Kerls, diese Halunken, müssen weg, länger sehe ich mir die Schweinerei nicht mehr an, äußerte er Lichtheim gegenüber. [80]

Seine energischen Schritte hatten zur Folge, dass eine Woche später Weisungen ergangen sind, von allen Maßnahmen gegen die Juden abzusehen. [81]  Mit der Entlassung der Verhafteten und der Ankündigung, alle Juden zu schonen, entspannte sich Ende Februar 1915 die Situation in Palästina.

Ende März 1917 rechnete Djemal Pascha mit der Möglichkeit einer englischen Landung an der syrischen Küste. Er befahl daher die Räumung der Bezirke Gaza und Jaffa. Die Ententepresse leitete daraus mit alarmierenden Berichten über pogromartige Gewalttaten und Plünderungen den Beginn einer Ausrottung der Juden in Palästina ab. Das Auswärtige Amt in Berlin sah sich 1917 zu der dringenden Aufforderung gezwungen, dass die türkische Regierung durch unzweideutige Handlungen klar zu erkennen gibt, dass nur die militärisch unbedingt notwendigen Räumungsmaßnahmen mit tunlichster Schonung ohne Differenzierung der Konfession durchgeführt werden und dass eine Wiederholung der gegen die Armenier angewandten Methoden nicht beabsichtigt ist.

Trotzdem wurde am 14.Mai 1917 an den Reichstag die Anfrage gerichtet, ob er bereit sei auf die osmanische Regierung in solcher Weise einzuwirken, dass in Palästina die Wiederholung der armenischen Gräuel mit Sicherheit ausgeschlossen wird.

Und als auch der SPD-Vorstand offiziell auf eine diesbezügliche Intervention in Konstantinopel drängte, ließ das Auswärtige Amt auf die Pforte Druck ausüben.[82] Lichtheim schrieb in seinem Buch Die Geschichte des deutschen Zionismus, Es unterliegt keinem Zweifel, dass die jüdische Siedlung in Palästina den Krieg nicht überstanden hätte, wenn die deutsche Regierung nicht bereit gewesen wäre, die Schutzmaßnahmen zu treffen. [83]

Genauso wurde Georgien in Schutz genommen, als die Türken 1918 Richtung Tiflis marschierten. Die deutschen Bataillone kämpften mit den Georgiern gemeinsam gegen das vorrückende türkische Heer. Es gab Tote und Gefangene unter den Deutschen. [84]

Als die Türken den Widerstand der Deutschen sowohl auf dem Kriegsfeld als auch auf politischer Ebene wahrnahmen, gaben sie den Gedanken, Georgien zu erobern, auf und zogen sich zurück.

Diese Beispiele zeigen eine aufrichtige Hilfeleistung, im Gegensatz zu den scheinheiligen Vorsprachen und Protestdepeschen, derer sich die türkischen Verbündeten, die Mittelmächte, rühmten, indem sie behaupteten, alles getan zu haben, um den Armeniermassakern Einhalt zu gebieten.

Hier sei zu erwähnen, dass, als Liman von Sanders im November 1916 aus militärischen Gründen die Deportationen der Armenier aus Smyrna untersagte, fügte sich selbst ein Talaat, der sich deutschen diplomatischen Einwänden sonst verschloss, dieser Order. [85]

Der k.u.k. Militärattaché Pomiankowski war auch der Meinung, dass Deutschlands Einfluss in der türkischen Regierung ein sehr großer war, dass dieser Einfluss oft aber falsch eingesetzt wurde:

Ich kann in meinen Erinnerungen ... der Vollständigkeit halber den Deutschen jenen Platz einräumen, der ihnen nach ihrer umfangreichen Tätigkeit, sowie nach dem Einfluss, den deutsche Ratgeber auf alle militärischen und politischen Vorgänge in der Türkei genommen haben, gerechterweise gebührt. Dass dieser Einfluss nicht immer ein glücklicher war, kann ich weder verschweigen noch beschönigen. [86]   

Einer dieser unglücklichen Einflusse der Deutschen war sicher die Anregung zur Unschädlichmachung der Armenier gewesen, eine Unschädlichmachung, der zu einem Völkermord an den Armeniern in Türkisch-Armenien ausartete.

Als 1918 von Kreß dem Katholikos aller Armenier in Edjmiazin seine Aufwartung machte, erhob dieser eine Anklage gegen die Deutschen:

Der greise, ehrfurchtgebietende Katholikos empfing uns. Mit flammenden Worten und zitternd vor innerer Erregung erhob dieser abgeklärte und hochgebildete Kirchenfürst in seiner Erwiderung auf meine Ansprache gegen uns Deutsche die schwere Anklage, dass wir die Schuld an den Verfolgungen trügen, denen sein armes Volk in der Türkei ausgesetzt sei. Als eine christliche Nation wären wir zumindest verpflichtet gewesen, unserem Verbündeten bei seinem grausamen Vorgehen gegen das christliche Volk in den Arm zu fallen. [87]     

Oberst von Kreß hatte seine Empörung schon im Juli 1918 kundgetan, indem er in einem Bericht an Reichskanzler Hertling jenen auf seine Pflichten aufmerksam zu machen versuchte:

Es steht mir nicht zu, Euer Exzellenz auf die Pflichten aufmerksam zu machen, die Deutschland als christliche Nation den christlichen Armeniern gegenüber zu erfüllen hat ... Entschieden wird man uns vorwerfen, dass uns der gute Wille gefehlt hat ... Ich bitte deshalb Euer Exzellenz ebenso dringend wie gehorsamst, mit allen verfügbaren Mitteln und möglichst rasch einen energischen Druck auf die türkische Regierung auszuüben, dass sie sofort ihre Truppen aus Armenien zurückzieht ...[88]  

Man war demnach im Stillen mit der Armenierverfolgungen einverstanden, dementsprechend waren auch die Hilfsmaßnahmen angesetzt: Oberflächlich, zaghaft, widersprüchlich und freundschaftlich.

Oft waren die türkischen Staatsmänner überrascht, als die Maßnahmen gegen die Armenier von ihren Verbündeten genehmigt, dann aber kritisiert wurden. Die k.u.k. Dokumente deuten darauf hin, dass seitens Deutschland der Türkei die Verfolgung der Armenier nahe gelegt wurde.

Österreich-Ungarn hat sich in der Armenierpolitik Deutschland angeschlossen. Auch wenn Österreich-Ungarn mit manchen Entscheidungen nicht einverstanden war, so wurde im Allgemeinen keine eigene Initiative ergriffen, auch nicht in Bezug auf die Armenierpolitik der Deutschen. Obwohl Pallavicini in seinen Berichten nach Wien die deutsche Politik bezüglich der Armenierpolitik bemängelte, war er inkonsequent. Er versuchte nicht, laut vorhandene Dokumente, seine deutschen Kollegen zu veranlassen, ihre Armenierpolitik zu überdenken und die türkische Regierung zu zwingen, das Massaker zu unterbinden.

Es ist nun verständlich, dass in Bezug auf die Ausrottung des armenischen Volkes von Seiten der Alliierten nicht nur die Türkei angeklagt wurde, sondern auch Österreich-Ungarn und Deutschland. Um diesen Vorwürfen zu entgehen, verbarg man sich hinter dem Argument der Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten der Türkei, was jedoch indirekt der Türkei freie Hand in ihrer Politik der Armenierverfolgung ließ.

Die Armenierpolitik Deutschlands und Österreich-Ungarns manifestiert sich am besten in der deutschen Pressekonferenz vom 7. Oktober 1915:

Über die Armeniergreuel ist folgendes zu sagen: unsere freundschaftlichen Beziehungen zur Türkei dürften durch diese innentürkischen Verwaltungsangelegenheiten nicht nur nicht gefährdet, sondern im gegenwärtigen, schwierigen Augenblick nicht einmal geprüft werden. Später, wenn direkte Angriffe des Auslandes wegen deutscher Mitschuld erfolgen sollten, muss man die Sache mit größter Vorsicht und Zurückhaltung behandeln und stets hervorrufen, dass die Türken schwer von den Armeniern gereizt wurden . [89]

Als die Massaker und die Gräueltaten an den Armeniern bekannt wurden, hätten die, die diese Maßnahmen gefordert hatten, die Deportationen unter die Aufsicht ihrer Soldaten stellen sollen. Dazu hätten sie einige Bataillone gebraucht, einige Bataillone, die man aus Deutschen und Österreich-Ungarn zusammenstellen hätten könnten. Sicher wäre nicht für alle Deportierten eine Rettung möglich gewesen, aber es wäre sehr wohl möglich gewesen, unter Umständen die Hälfte von den 1,5 Millionen massakrierten Armeniern am Leben zu erhalten.



[1] Friedrich Naumann, "Asien", Berlin 1913, S.140,164

[2] Rudolf Fitzner, "Die wirtschaftliche Erschließung Kleinasiens", "Asien", Heft 1, 1901, S. 10

[3] Alfred Kirchhof, Gute Aussichten für den Baumwollbau in Kleinasien", Asien, Heft 1, 1901, S.11

[4] Hilmar Kaiser, "Imperialism, Racism and Development Theories“, Michigan 1998, S.11

[5] Friedrich Naumann,...S. 37

[6] Ewald Banse, "Die Türkei", Braunschweig 1915 (1919) S.197

[7] Alexander Ular und Enrico Insabato, "Der erlöschende Halbmond", Frankfurt a.M. 1909, S.121

[8] J.Marquart, "Die Entstehung und Wiederherstellung der armenischen Nation", Berlin 1920, S. 52f

[9] Hilmar Kaiser, "Imperialism, Racism, and Development Theories", Michigan, 1998, S. 47

[10] Kirakosssian, Der Erste Weltkrieg, Yerevan 1967, S. 161

[11] Wien, HHStA PA III 171. Jeniköj, 26. August 1914, Telegr. Nr. 494

[12] Mowaracholdowle Sepehr, "Iran im Großen Krieg, 1914-1918", Teheran 1984, S. 56

[13] ibid S. 44

[14] ibid S. 313

[15] ibid S. 342f

[16] Pomiankowski, Der Zusammenbruch, Leipzig 1928, S. 53

[17] Die Tagebücher von Westenenk, s. 67

[18] Wien, HHStA PA 1521 Konstantinopel, 19. November 1914, Nr. 68/P.-B.

[19] Sasonoff, sechs… S. 317

[20] Henry Morgenthau, Ambassador Morgenthau’s Story, New York 1915, S. 370

[21] Wien, HHStA PA XL 274 Konstantinopel, 14. Jänner 1916, Nr. 23

[22] Wien, HHStA PA XII 209 Konstantinopel, 27. Juni 1915, Nr. 50/P.C.

[23] Wien, HHStA PA XL 272 Konstantinopel, 3. März 1915, Nr. 93

[24] Pomiankowski, Der Zusammenbruch, Leipzig 1928, S. 31f

[25] Charls D. Haley,"The desparate Ottoman", Middle Eastern Studies, Vol.30, Nr.2. April 1994

[26] Wien, HHStA PA XL 272 Konstantinopel, 12. September 1915, Nr. 336

[27] Wien, HHStA PA XII 209 Konstantinopel, 30. September 1915, Nr. 79/P.-A.

[28] Wien, HHStA PA 1944 Konstantinopel, 12. November 1915, Nr. 95/P.A-B.

[29] Wien, KA AOK NA 1915, K.3529. Konstantinopel, 8. Oktober 1915, Nr. 619.

[30] Wien, KA AOK NA 1916, Fasz. 5670. Konstantinopel, 19. März 1916, KNr. 6498

[31] Wien, HHStA PA XXXVIII 366 Aleppo, 8. August 1915, Nr. 10/P

[32] Wien, HHStA PA XII 463 Trapezunt, 22. Oktober 1915, Nr. 70/P

[33] Wien, HHStA PA XII 209 Adrianopel, 10. November 1915, Z 100/P

[34] Alan Moorehead,"Gallipoli"… S.100

[35] Liddell Hart, "Colonel Lawrence", New York 1934, S. 25

[36] Wien, HHStA PA XII 463 Adrianopel, 2. November 1915, Z 97/P. Beilage zu: 7. November 1915, Nr. 93/P.B.

[37] Kirakosian, Der Erste Weltkrieg, Yerewan 1967, S. 415

[38] Morgenthau, Ambassador, New York 1915, S. 365

[39] Pomiankowski, "Der Zusammenbruch…S. 162

[40] Marquart, Die Entstehung, Berlin, S. 59

[41] André Cheradame, "The Pangerman Plot unmasked", New York 1917, S. 89

[42] Wien, "Kurier", 12.August 2004, S.4

[43] L.Trotzki,...S. 28f

[44] Pomiankowski, Der Zusammenbruch, Leipzig 1928, S. 163

[45] Morgentau., S. 375f

[46] Wien, HHStA PA XII 463. Trapezunt, 17. Dezember 1915,  Nr. 84/P

[47] Wien, PA XII 463, Samsun, 26. Mai 1917, Z 21/P

[48] Brief an den Verfasser, vom 11. Juni 1984

[49] J. Marquart, Die Entstehung, Berlin, S. 48

[50] Vierbücher, Armenien 1915, Hamburg 1930, S. 78

[51] Marquart, Die Entstehung, Berlin, S. 53

[52] Spartakus-Briefe, Berlin 1958, S 97

[53] Pogrom Nr. 72/73, Mai 1980, Göttingen

[54] Lanne, Armenien, München 1977, S. 146

[55] Wien, HHStA PA XL 274, Konstantinopel, 14. Jänner 1916, Nr. 23

[56] Wien, HHStA PA X 155 Wien, 4. April 1918, Nr. 131

[57] Wien, HHStA PA X 155 Pera, 11. April 1918, Nr. 234

[58] Wien, HHStA PA XII 463 Russ. Radionachr. vom 12. April 1918

[59] Wien, HHStA PA XII 463 Haag. 15. April 1918, Nr. 18/P.-F.

[60] Wien, HHStA PA X I 55 Berlin. 28. Mai 1918, Telegramm Nr. 2676

[61] Wien, HHStA PA X I 55 Pera. 30. Mai 1918, Nr. 340

[62] Wien, KA Präs 1918. Reichenau, 27. April 1918, Nr. 2909

[63] Wien, HHStA PA XII 463 Königswust, 12. April 1918.Beilage zu 16.April 1918. Nr.1975

[64] Wien, HHStA PA X 155 Pera, 30. Mai 1918, Nr. 340

[65] Wien, HHStA PA X 157 Berlin, 2. September 1918, Nr. 101/P.-A.

[66] Baumgart, Deutsche Ostpolitik 1918, S. 201

[67] Wien, HHStA PA XII 463 Haag, 15. April 1918, Nr. 18/P.-F.

[68] Kreß von Kressenstein, Mit den Türken zum Suezkanal, Berlin 1938, S. 138

[69] Goltz, Referat am Lepsius-Grab vom 6. April 1986

[70] H. Goltz, Rede am Lepsius-Grab in Meran am 6. April 1986, Manuskript

[71] Ibid

[72] Lepsius, Deutschland und Armenien 1914-1918, S. V.

[73] Goltz, Referat vom 6. April 1986

[74] Golz, Zwischen Deutschland und Armenien. Theologische Literaturzeitung, Halle 1983, Nr. 12, S. 875

[75] Wien Diözesan-Archiv, Maria Empf. Ver. Konstantinopel, 31. März 1916, Beilage zu Bericht Nr. 26/P-C.

[76] Ibid., Konstantinopel, 10. Februar 1916, Aktennotiz aus der deutschen Bot.

[77] Ibid., Berlin, 28. Februar 1916, Erzberger an Piffl

[78] Lepsius, Deutschland und Armenien, S. 241ff

[79] Harry Stürmer, Zwei Kriegsjahre in Konstantinopel, Lausanne 1917, S. 64

[80] Egmont Zechlin,"Die Deutsche Politik und die Juden im Ersten Weltkrieg", Göttingen 1969, S. 323-360

[81] ibid

[82] ibid, S. 323-360

[83] ibid S. 321

[84] Wien, HHStA PA X 156 Konstantinopel, 29. Juni 1918, Beilage zu Nr. 57/P.-C.77

[85] Wolfgang Gust, Verständnislose Auswüchse des Militarismus, Historicum 97.pmd. 2008, S. 25

[86] Pomiankowski, Der Zusammenbruch, Leipzig 1928, S. 14

[87] Kreß, Mit den Türken, Berlin 1938, S. 138

[88] Wien, HHStA PA X 157 Tiflis, 11. Juli 1918, Beilage zu: 12. Juli 1918, Nr. 7/P.-A.-D.

[89] Vierbücher, Armenien 1915, Hamburg 1930, S. 78