13.08.2010

Resümee über die Symposien in Yerevan und in Ankara über das Adana Massaker an den Armeniern vom 1909

Am 21. April 2009, anlässlich der Wiederkehr der 100 jährigen Massaker-Tage an den Armeniern in Adana, wurde von "Museum-Istitut Of The Armenian Genocide" in Yerevan, ein Symposium veranstaltet.
Am 26. Juni 2009 wurde in Ankara seitens "The Turkish Historical Society" ein Symposium über die Massaker in Adana abgehalten.
Ich wurde sowohl nach Yerevan, als auch nach Ankara eingeladen, um einen Vortrag zu halten. Demnach war ich der Einziege, der an den beiden Symposien teilnehmen dürfte.
Als österreichische Historiker armenischer Herkunft versuchte ich an Hand der österreichisch-ungarischen Dokumente die Ereignisse von Adana zu durchleuchten, Dokumente die objektiv sind und die Wahrheit an nahesten heran kommen. Die Objektivität der österreichisch-ungarischen Dokumente ist dadurch gegeben, dass die österreichischen Diplomaten in der Türkei eher Armenierfeindlich gesinnt waren als Armenierfreundlich. Dieses ist in einigen der österreichischen Berichte deutlich ersichtlich. Und so hielt ich sowohl in Yerevan als auch in Ankara ein und denselben Vortrag.
Nun zu den Symposien: Die Vortragenden in Yerevan versuchten die Ereignisse aus der Sicht der Armenier, basierend auf die armenischen Dokumente zu durchleuchten und die türkischen Vortragenden in der Türkei ergründeten die Ereignisse in Adana an Hand der türkischen Dokumente (in Ankara war auch Dr. Garabet Moumdjian aus der USA eingeladen. Unsere Vorträge besagten das Gegenteil von dem von unsern türkischen Kollegen vorgetragenen Berichte.) Es ist logisch, dass die Vorträge, hier und dort, einseitig, subjektiv und emotionell seien können. Die türkischen Historiker versuchten die Armenier als Revolutionäre hinzustellen, die beabsichtigt hatten ihre Historisch- Armenien wieder zu kreieren. Die Armenier stellten die Armenier, die "Mileti Sadigha", das treue Nation - so wie sie ursprünglich von den Osmanen genannt wurden - als die unschuldig massakrierten hin.
Falls die Parteien eine Annährung zueinander beabsichtigen - die türkischen Kollegen erhoffen eine Zusammenarbeit mit ihren armenischen Kollegen, so wurde in den Eröffnungsrede vorgetragen - nützt es wenig wenn beiderseits ihre Argumente auf eigenen, einseitigen und subjektiven Dokumente aufbauen. Es ist viel effizienter, so denke ich, wenn man die Dokumente der damaligen europäischen Mächte studiert, deren diplomatischen Vertretungen in Provinz Adana ihren Dienst leisteten, Augenzeugen der Ereignisse waren und die Geschehnisse an ihren Botschaften in Konstantinopel weiter leiteten.
Ich bin der Meinung, dass die Historiker, beiderseits, auf einem Tisch sitzen und sich die Frage stellen sollten: Wo fangen wir an? jetzt, heute! Es hilft überhaupt nicht, dass, bevor Mann auf einem Tisch sitzt, Vörderungen stellt. (Bekanntlich hat Herr Ministerpräsident Erdogan von den Armeniern verlangt, die Armenier müssen drei Punkte Anerkennen bevor beidseitigen Besprechungen beginnen: a. Es gab 1915 kein Genozid an den Armeniern, b. Das Vertrag vom Kars muss von den Armeniern anerkannt werden und c. die 5 Distrikte in Berg- Karabach müssen Aserbaidschan zurück erstattet werden.)
Die gemischten Symposien sind gut, es sind kleine Schritte in die Richtung zum Verständnis und Versöhnung. Aber Objektivität muss gegeben sein. Ich bin überzeugt, dass 1915 ein Genozid an die Armenierin begangen wurde. Dies ist an Hand der österreichisch-ungarischen und deutschen Dokumente ersichtlich. Wie aber damit umzugehen werden soll, das wird in den Besprechungen zu klären sein. Trotzdem ohne Zugeständnisse und Kompromisse beiderseits wird man nichts erreichen. Dabei ist es höchster Zeit, dass die zwei Nachbarvölker zu einer Einverständnis kommen und, so glaube ich, Friede in das Region Kaukasus bringen, eine Friede, die die wirtschaftliche und geopolitische Lage in Kaukasus befestigen konnte. Daraus werden alle Kaukasusländer und die Türkei profitieren. Zum Glück regiert ein Ministerpräsident in der Türkei, der in drei wichtigen Ereignissen seinen Mann gestellt hat: Als die USA von Türkei aus Irak bombardieren wollte, hat Herr Erdoghan es nicht zugelassen. In Davos sagte er die Wahrheit und ließ sich nicht entmutigen, er stand auf und verließ die Versammlung, und vor kurzem nannte er die Diskriminierung der türkischen Minderheiten in der Türkei in der Vergangenheit als ein faschistischer Akt. Von so einer Persönlichkeit ist es auch zu erwarten, dass er die Frage von 1915 löst.
Dass die zwei Völker sehr lange nebeneinander gelebt und sich gegenseitig respektiert haben, ist aus der Geschichte ersichtlich: Die Ottomanische Regierung ließ für die "Milate Sadigha", ein eigenes Gesetz ausarbeiten. Die Armenier durften höhere Ämter in der türkischen Regierung Inne haben und waren frei, ihre kulturellen Begabungen zu vervollständigen, sodass sie das Land mit enormen Reformen in Architektur, Musik, Malerei und Literatur bereicherten. Man kann heute sehr interessante Bücher darüber in der Türkei beziehen. Allein dass heute etwa 90.000 Armenier aus Republik Armeniern in der Türkei leben und arbeiten dürfen bezeugt davon, dass die zwei Völker sich doch verständigen können.
Ich möchte mein Resümee mit einen Zitat von dem großen Armenier, William Saroyan austragen:
"I am an Armenian. God damn the bastards who were making the trouble. (That is the way it is when you are an Armenian, and it is wrong. There are no bastards. The bitter feeling of the Armenian is also the bitter feeling of the Turk. It is all absurd, but I did not know. I did not know the Turk is a simple, amiable, helpless man who does what he is forced to do. I did not know that hating him was the same as hating the Armenian since they were the same. My grandmother didn´t know either, and still does not know. I know now, but I don´t know what good it is going to do me because there is still idiocy in the world.) ... And my grandmother prayed for the triumpf and safety of General Andranik, althogh she knew Turks were good people. She
herself said they were".
William Saroyan, "Inhale and Exhale" New York 1936, S. 257f

Wien, 04.07.09